"Windige Entscheidung"
Brief an Bürgermeister Düe zur Einwohnerinformations-Veranstaltung
am 17. November 2009 »

Sehr geehrter Herr Düe,

mit Erstaunen und Verwunderung haben wir die Einwohner-Informations-Veranstaltung über die für Engelschoff geplante Windindustrieanlage wahrgenommen und am Ende verlassen. Die Ankündigung ist uns, wie anderen Mitbürgern auch, eher zufällig zugetragen worden: als Beilage einer Werbung (Marktplatz).

Gegen die geplante Windkraftanlage legen wir in Hinblick auf die bevorstehende Entscheidung des Gemeinderates am 30. November 2009 Einspruch mit folgender Begründung ein:

• Eingriff in die Natur- und Kulturlandschaft
• Landschaftszerstörung
• Lärmbelästigung
• Schattenwurf
• Diskobeleuchtung bei Nacht
• Infraschall
• Verlust der Immobilienwerte

Die so genannte Informationsveranstaltung wurde von der Windkraftfirma, dem Investor und möglichen Betreiber und nicht von Ihnen als Bürgermeister von Engelschoff durchgeführt. Wie im Verlauf der Veranstaltung auch bestätigt wurde, hat nicht Engelschoff um den Bau dieser Windkraftanlage gebeten, vielmehr ging die Initiative von den Investoren aus, die sich dafür eine der schönsten Naturlandschaften ausgespäht haben.

Im Prolog zur Veranstaltung, „dass Sie darauf achten müssten, dass Geld in die Gemeindekasse käme“, machten Sie als Bürgermeister Politik für Windenergie. Erkennbar war: Hier geht es nicht um Windenergie – sondern ausschließlich um die Sanierung des Haushaltes.

Die von der Windkraftbetreiberfirma vorgetragenen Daten stimmen nicht mit den tatsächlichen Gegebenheiten überein – sie wurden auf der Veranstaltung schön geredet, und es fiel auf, dass über die Errichtung „dieses Windparks inmitten des Dorfes Engelschoff“  auch nicht im Konjunktiv gesprochen wurde, sondern bereits im Indikativ. 

Einziges und oft herangezogenes Argument für den Bau der Windmühlen, war: die zu erwartenden Einnahmen der Gewerbesteuer.

Diese Einnahmen, sehr geehrter Herr Bürgermeister, werden in der genannten Höhe nie zu erwarten sein. Dies als Hauptargument für die Errichtung einer Windkraftindustrieanlage heranzuziehen, ist falsch und eher als Propaganda zu werten.

Den anwesenden und interessierten Bürgern wurden weder auf dem Vorwege noch im Saal Unterlagen überlassen, was Voraussetzung dafür gewesen wäre, dass sich der oder die Einzelne

a) ein klares Bild über die Tragweite einer solchen Windkraftanlage hätte machen können

und

b) die auf den Bildschirm vom Investor projizierten Zahlen überhaupt nachvollziehen oder einer genaueren Überprüfung hätte unterziehen können.

             So blieb es beim Überraschungseffekt.

Es ist bei vielen Anwesenden der Veranstaltung der Eindruck entstanden, die Einwohner Engelschoffs möglichst wenig, möglichst einseitig und spät von einem in Ihren Köpfen bereits weit vorangeschrittenen Projekt in Kenntnis zu setzen, und dass die Planung und Durchführung einer solchen Anlage, unabhängig von der bevorstehenden Abstimmung des Gemeinderates am 30. November, bereits beschlossene Sache ist und mehr oder weniger bereits fertig in der Schublade vorliegt.

Gegenstimmen wollten Sie auf der Veranstaltung nicht hören. Vielmehr wurden solche, nicht nur in einem Fall, sogar von Ihnen abgelehnt und unterdrückt. Dabei sollte es doch Ihre vornehmliche Aufgabe als Bürgermeister sein, die Wünsche und Bedenken der Bürger Engelschoffs zu vertreten und zu berücksichtigen.

Thematisiert wurde zum Beispiel das  Vogelschutzgebiet nur am Rande,  da keiner der Anwesenden über aktuelle Fakten informiert war. Hierzu gab es nur eine Aussage seitens der Investoren, die es allerdings noch nachzuprüfen gilt.

Aus der Sicht der Bürger, also aus unserer Sicht, muss eben das betroffene, und von der Betreiberfirma ins Auge gefasste Gebiet, das diese Landschaft prägt, schützenswert sein und in seiner einzigartigen Form erhalten bleiben. Alles andere ist:

• eine Verschandelung der Landschaft
• ein Ausverkauf der Natur und
• eine „Landschaftszerstörung“,

denn solche Anlage gehören auf Grund ihrer unentwegten Rotorbewegungen zu den größtmöglichen anzunehmenden landschaftlichen Umwelteingriffen.

Von namhaften Reitern der deutschen Olympiamannschaft (Schockemöhe, Beerbaum u.a.) wurde schon vor Jahren die Empfehlung ausgesprochen, Windkraftanlagen nicht in einem Umkreis von unter 2500 Meter zu Reitanlagen und Pferden zu errichten.

Nicht jedes Dorf und jede Gemeinde benötigen eigene „Windkraftanlagen“. Eine Zusammenfassung solcher Industrieanlagen für eine größere Anzahl von Städten, Dörfern und Gemeinden kann in einem geeigneten Gebiet durchaus sinnvoll sein. Das spart Steuergelder bei der Errichtung und Betreibung.

Es wurde nicht darauf hingewiesen, dass neben den erheblichen Investitionskosten, die bereits durch unser aller Steuergelder aufgebracht werden müssen, der gewonnene Strom dazu auch noch teurer ist.

Die zu erwartende erzeugbare Menge an Energie wurde weder ungefähr noch exakt genannt und die fiktiven Zahlen nach oben gerechnet. Dem Hinweis eines Mitbürgers auf ein Nebendorf, in welchem sich eben diese vor der Planung so schön gerechneten Zahlen bis heute nicht erfüllt haben, wurde widersprochen.

Es ist bekannt, sollten noch so viele Windräder aufgestellt werden, könnte kein einziger Haushalt zuverlässig mit diesem unsteten Strom versorgt werden.

Es reicht nicht aus und ist anzuzweifeln, dass die entstandenen Schäden und Belastungen, laut Zusage der Investoren, durch den Bau der Anlagen von der Betreiberfirma wieder in den Urzustand zurück geführt werden – was insgesamt nicht möglich ist und wäre.

Die Belastung für die Bürger von Engelschoff durch die geplante Autobahn ist bereits erheblich. Eine jetzt noch zusätzliche Windkraftanlagen direkt vor den Haustüren einer Vielzahl von Anwohnern in Engelschoff ist:

schlichtweg nicht zu akzeptieren

Wir werden es daher nicht zulassen, dass unsere Heimat und Landschaft aus Gewinnsucht verschandelt wird und fordern Sie auf, gegen diese Geschäftemacherei, die mit Klimaschutz nichts zu tun hat, auf der Gemeinderatssitzung am 30. November 2009 mit einem NEIN zu stimmen!

Ursula Koslik
Rüdiger Koslik
Dorfstrasse 15
21710 Engelschoff
Gertrud Jarck
Hinrich Jarck
Dorfstrasse 19
21710 Engelschoff
Elfriede Lutz
Gerhard Lutz
Dorfstrasse 17
21710 Engelschoff

Gila Strehlow-Donner
Ulrich Donner
Wetternweg 1
21710 Engelschoff
Doreen Krüger
Fred Hintz
Dorfstrasse 18
21710 Engelschoff
Patricia Hager
Christian Hager
Wetternweg 3
21710 Engelschoff

Thomas Kehrel
Wetternweg 2
21710 Engelschoff
Magdalena Hagenah
Dorfstrasse 18
21710 Engelschoff

Tevfik Turen
Frau Christina
Kamper Weg 34 a
21710 Engelschoff
Adolf Kröncke
Hertha Kröncke
Dorfstrasse 21
21710 Engelschoff